Iglu-Hotel: Frostige Ferien im Bett aus Eis
Vom (Selbst-)Versuch, eine Nacht im Iglu 300 Kilometer nördlich des Polarkreises zu verbringen
Kann man auf eine Nacht im Iglu hinfiebern? Oder fröstelt man darauf zu? Kann es sein, dass man irgendwann zuhause vom warmen Wohnzimmer aus eine Urlaubsnacht im Quartier aus Eis gebucht und plötzlich gar keine Lust mehr darauf hat, wenn man über 300 Kilometer nördlich des Polarkreises in Finnisch-Lappland eingetroffen ist und wirklich in sein eisiges Quartier einchecken soll? Dass man sich fragt, was man sich denn nun schon wieder eingebrockt habe und insgeheim nach Ausflüchten sucht, den eigenen Plan möglichst unauffällig rückgängig zu machen?

Hotel & Igloo Village Kakslauttanen
Wäre die Iglu-Aktion doch nur für den Vortag vorgesehen gewesen. Da war es warm – nur minus ein Grad, völlig unüblich für einen Februartag in diesen Breiten. Nun aber kam die Kälte zurück – und hätte sie ein Gesicht, sie würde höhnisch grinsen: Minus 21 Grad Außentemperatur zeigt das Thermometer inzwischen. Kakslauttanen liegt viereinhalb Autostunden nördlich der finnischen Lappland-Hauptstadt Rovaniemi, eine halbe Fahrtstunde südlich von Ivalo. Ausgerechnet dort hat Jussi Eiramo sein Iglu-Dorf mit dem Namen Hotel & Igloo Village Kakslauttanen eröffnet. Im Sommer vermietet der bärtige Hüne Blockhäuser, im Winter zusätzlich selbst konstruierte Iglus. Über zwanzig Iglus baut der Wildnishotelier jedes Jahr gebaut – jeder mit Platz für vier Personen, mit halbmeterdicken Wänden aus Eis und etwa acht bis zehn Quadratmeter Grundfläche.
„Wer einen Iglu bucht“, sagt Eiramo, „der tut das für eine Nacht und erfüllt sich damit einen Kindheitstraum. Niemand verbringt die ganzen Ferien im Eis-Quartier.“ Vor allem Japaner seien ganz heiß auf die Kälte. Darüberhinaus kommen die Gäste aus Mittel- und Südeuropa, sogar aus Dubai, aus Australien, Argentinien und China. Über 100 Euro pro Person kostet die Nacht im Iglu – Frühstück inklusive, viel heißer Kaffee ebenfalls. Bis Anfang Mai ist sein Eis-Dorf geöffnet. Danach holt sich der Frühling die vergänglichen Bauten.

Übersichtskarte vom Hotel & Igloo Village Kakslauttanen. Eine Multimedia-Karte steht online auch bereit.
Alljährlich Ende November beginnen die Bauarbeiten. Aus Flusswasser gewonnener Kunstschnee wird mit Hochdruck auf ein kuppelförmiges Aluminium-Fertighäuschen gespritzt. Sechs Stunden später trägt die Substanz, so dass dann die Blech-Schablone von einem Traktor unter dem Schnee herausgezogen werden kann und der Iglu steht. Nur die Front muss dann noch angefügt werden. „Kunstschnee ist deutlich wasserreicher als herkömmlicher Schnee und deshalb um ein Vielfaches stabiler“, erklärt Eiramo. „Du kannst mit einem Motorschlitten über unsere Iglus donnern, und nichts wird geschehen.
Selbst Stromleitungen haben Eiramo und seine Mitstreiter in die bläulich-weiße Masse eingegossen, um Halogen-Lampen ins blankpolierte Eis der Nachttischchen im Iglu einlassen zu können. Nur die anderthalb Meter hohen Türen sind aus Holz, und über den Betten prangen kleine bunte Wandteppiche, um fröhliche Farben ins Weiß zu bringen.
Die Nachtlager sind ebenfalls aus Kunstschnee, in dessen oberste Schicht eine Kälteschutzmatte aus Spezialplastik eingelegt ist. Eine dünne Matratze ist mit Rentierfellen bedeckt, auf denen wiederum Lammhaardecken ausgebreitet sind.

Toller Ausblick aus dem Glas-Iglu in die eisige Nacht.
Am Nachmittag noch hatten die Iglu-Mieter der kommenden Nacht ihre Quartiere inspiziert, deren Innentemperatur zwischen minus drei und minus sechs Grad schwanken kann, nicht aber darunter fällt. Im Thermoanzug haben sie probegelegen, dabei Spaß gehabt, gelacht, gewitzelt – und sich insgeheim gefragt, ob sie sich wirklich für die ganze Nacht darauf einlassen sollten, haben im Geiste erste Ausreden vor sich selbst erwogen und Fluchtmöglichkeiten gecheckt. Ein paar Lagen T-Shirts, Schal, Sicherheitsschal, Reserve-Sicherheitsschal, Wollsocken, Extra-Wollsocken, Reserve-Extra-Wollsocken: Hektisch rennen die Iglu-Crews jetzt im Schnee hin und her, legen Spurts ein, hüpfen, machen ein paar Minuten lang dick vermummt Turnübungen im Freien, heizen den Körper nochmal richtig auf und krabbeln sofort danach in den Daunenschlafsack. So hatte Eiramo es ihnen geraten, um besonders gut gegen das Auskühlen vorzubeugen. Beim Betreten des Eisquartiers beschlägt die Brille. Der Schleier ist Beweis für den 15-Grad-Temperatursprung von minus 21 Grad Außentemperatur auf frostigwarme minus sechs Grad im Iglu. Der Kopf ist in eine Sturmhaube gezwängt, wie sie sonst zur Dienst-Kluft von Bankräubern gehört: eine bis zum Hals heruntergezogene Mütze mit Schlitzen für Lippen, Nase, Augen. Der Daunenschlafsack ist stramm zugezogen, die Kapuze über den Kopf geklappt.

So richtig nett wirds nur im Iglu-Bett...bei -6 Grad geradezu kuschelig!
Wer eben noch müde war, ist plötzlich wieder wach, lauscht auf Geräusche, horcht, ob der Schnee knirscht, das Eis krächzt, ob Tropfen von der Decke herabtrommeln, spitzt die Ohren und merkt, dass es nichts zu hören gibt. Ein geheimnisvoll bläulicher Schein des Lichts aus dem Hof dringt durch die Eiswände als würde man in einer trockenen Glasglocke unter Wasser wohnen und durch die Zimmerwände in die Fluten schauen können. Nach und nach melden Arme, Beine, Nasenspitze und Nieren ans Gehirn: „alle noch vorhanden, Durchblutung okay“. Zehen und Finger geben ebenfalls Vollzähligkeit an die Zentrale durch. Der Kopf beschließt, das Winterschlaf-Programm zu fahren: bloß nicht bewegen, keine Energieverluste riskieren, embryonale Haltung im Schlafsack unverändert beibehalten, kurz darauf wieder Rundruf an Organe und Gliedmaßen, Abfrage, ob immer noch alle am Leben sind, alle paar Minuten erneute körperweite Umfrage. Nach einer Stunde kehrt die Müdigkeit zurück – weil der Kopf eingesehen hat, dass keine Gefahr besteht: Die Kälte dringt nicht bis in den Schlafsack, bringt nicht den Tod, und es spricht nichts mehr dagegen, endlich einzuschlafen.
Irgendwann meldet sich die Blase und möchte das beheizte Klohaus testen. Die Brillengläser sind mit einer dünnen Eisschicht überzogen, die Armbanduhr zeigt völlig unerwartet bereits halb neun Uhr morgens, und in einer Stunde wird die Sonne in Lappland aufgehen. Durchgeschlafen im Eis, Zeit zum Aufstehen: Experiment geglückt, Iglu-Urlaub überlebt! Eigentlich war es sogar gemütlich. Und spannend. Gar nicht schlimm. Eine echte Herausforderung. Ein seit Kindertagen geträumtes Abenteuer. Eine Erfahrung sowieso. Und echt cool natürlich.
Hotel-Blog Autor Helge Sobik © 2009 —dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt—
Mehr Infos unter:
http://www.travel.fi/int/kakslauttanen und
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Tags: Eis, Hotel, hotels, iglu, iglu hotel, ivalo, Jussi Eiramo, lappland, rovaniemi, winter
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wjuergen13 sagt:
Siecht richtig gut aus, habe eine liste mit Hotels aus finland gefunde … hier ist es : http://www.cylex.fi/hae/hotel.html
25. Februar 2009 um 10:28Dominik Sobotka sagt:
Weitere Igluhotels in den Alpen und neu in Andorra: http://www.iglu-dorf.com/
02. März 2009 um 09:54Hotel-Blog.de - Neues aus der Welt der HotelsHotel-Blog.de » Das Hotel aus Schnee und Eis sagt:
[...] der Spiegel, dass es nun auch in Deutschland ein solches Eishotel, nein, sogar ein richtiges Iglu-Dorf gibt. Seit Ende 2006 entstehen jährlich auf der Zugspitze 20 Iglus, die sich unter einer drei [...]
23. März 2009 um 15:35