Unverwechselbare Ideen: wie Hotels ganz besonderen Weitererzählwert schaffen
Ein Spa reicht nicht, ein eigenes Fitness-Center ist längst Pflicht, ein originell geschwungener Pool ohnehin Standard. Neue Ideen müssen her. Immer mehr Hotels leisten sich ganz besondere Ausstattungen mit Weitererzählwert, um ins Gespräch zu kommen – Einrichtungen, die niemand braucht und die trotzdem Spaß machen.
Meistens läuft Audrey Hepburn über die Leinwand und fällt George Peppard in die Arme. Dazu spielt Henry Mancini seinen Song „Moon River“, und zwei Menschen drücken sich in ihre Ledersessel, prosten sich mit Champagner zu – und lassen sich den selben Film gleich nochmal von vorne zeigen.
Das Lästigste am Kinobesuch sind normalerweise die anderen Zuschauer. Wer ausgerechnet im Urlaub einen Film vor dessen offizieller Kinopremiere oder einen fast vergessenen Klassiker gleich nach dem Frühstück ohne fremde Gesellschaft sehen will, braucht ein Hotel mit privatem Kino-Salon – und eine gut gefüllte Brieftasche.

Das hoteleigene Kino im Londoner Hotel One Aldwych.
Bis zu 4.500 Euro kostet die Beschaffung eines Films vor dessen offiziellem Start, ab rund 300 Euro für zwei Stunden die Anmietung des hoteleigenen Film-Theaters im Londoner Hotel „One Aldwych“ in unmittelbarer Nähe des Covent Garden. Der „Screening Room“ hat dreißig blaue Ledersitze, einen angeschlossenen „Private Dining Room“, dazu Dolby Stereo- und THX-Sound.
Und falls dem Gast einfällt, dass er um drei Uhr morgens ins Kino will: auch kein Problem. Das Hotel wird es möglich machen, hält eine Reihe besonders beliebter Filme bereit und kann für kostenbewusstere Klientel via Videoprojektion auch DVDs auf der Kinoleinwand abspielen – selbst solche, die der Gast mitbringt. Unangefochtene Nr.1 in der Wunsch-Hitparade ist Hepburn-Klassiker „Frühstück bei Tiffany“.
An Wochenenden öffnet das „One Aldwych“ sein Kino zu festen Zeiten auch für die Allgemeinheit – immer in Kombination mit einem Drei-Gänge-Menü im Hotelrestaurant und einem Glas Champagner, immer für umgerechnet knapp 60 Euro pro Person. Weil die Nachfrage gut und der Imagewert hoch ist, hat auch das Schwesterhotel „Carlisle Bay“ auf Antigua ein Hotel-Kino bekommen – mit 45 Sitzen.
Weitererzählwert ist dabei nicht auf ungewöhnliche Einrichtungen beschränkt. Besondere Services leisten dasselbe: So bügelt z.B. der persönliche Butler im Hotel „Imperial“ in Wien die Tageszeitung auf. Vorteil: Danach färbt die Druckerschwärze nicht mehr ab. Auf Wunsch glättet der Butler nicht nur die Nachrichten vom Tage, sondern beseitigt unmittelbar nach Ankunft die Knitterfalten aus dem gesamten Kleidungsvorat des Reisenden. Begrüßt werden die Gäste bereits mit persönlichen Visitenkarten, die als derzeitige Adresse das vornehme Hotel ausweisen.

Im Leisure Land des Forte Village Resort auf Sardinien gibt es neben einer Eisbahn auch eine Kartbahn.
Weil es derweil sogar auf Sardinien betuchte Gäste gibt, die im Hochsommer nicht aufs Schlittschuhlaufen verzichten möchten, zählt das dortige Edel-Hotel „Forte Village“ inzwischen eine Eislaufbahn zu seinen Einrichtungen – 25 Meter lang, 15 breit und auf die notwendigen Minusgrade unter den Kufen herabgekühlt: Das hat Weitererzählwert!
Im Ritz-Carlton in Orlando gibt es sogar eine eigene Rezeption für Kinder, in Dubai bis vor Kurzem eine Kinder Club-Lounge, die für die halbwüchsige Klientel mit codierter Magnetkarte zugänglich war. Dort wurden den Sprösslingen spezielle Kindermenüs und Plätzchen serviert – alles bereits im Übernachtungspreis eingeschlossen.

Sternwarte am Hotel Explora en Atacama in Chile.
Letzter Schrei bei der Suche der Edel-Wirte nach ganz besonderen Details scheinen Hotel-Sternwarten zu sein. Das „Explora en Atacama“ in Chile unterhält eine unter freiem Wüstenhimmel und betreibt dort drei leistungsstarke Teleskope. Das Ritz-Carlton am Lake Las Vegas hat sogar fünf, die mit GPS-Satellitennavigation ausgestattet sind und stets für jeden Blickwinkel die passende Sternenkarte mit Namen der Gestirne einblenden, sofern die bereits benannt sind. Wem das alles noch nicht reicht, der kann im Rahmen eines Packages einen Stern „verschenken“, und der Beschenkte sucht (s)einen Namen aus.
Kooperationspartner der Hotel-Sternwarte ist dabei das „International Star Registry“. Die Idee dürfte ein paar Jahre vorhalten und sich obendrein rechnen. Aberbillionen Sterne warten noch auf einen Namen.
Helge Sobik © 2009 —dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt—
Bildnachweis: Hotel One Aldwych (www.leonardo.com), Forte Village Resort Sardinia, Hotel Explora en AtacamaÄhnliche Artikel
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