Jerusalem: Hotel ohne Hotelgäste

Ein altes Sprichwort besagt, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Wahre Worte, vor allem, wenn es um ein Hotel im politisch unruhigen Ost-Jerusalem geht. Das Gebiet ist bekanntlich umstritten und wird sowohl von Israel als auch von vielen Palästinensern für sich reklamiert.

Das hat an und für sich noch nichts mit Hotels zu tun, doch wenn ausgerechnet an dieser Stelle ein Luxushotel eröffnete und das zeitgleich mit dem Beginn des so genannten Sechs-Tage-Krieges, dann ist das allemal eine interessante Story.

Jerusalem: im politisch umstrittenen Ostteil der Stadt findet sich ein Luxushotel, das niemals einen Gast gesehen hat.

Jerusalem: im politisch umstrittenen Ostteil der Stadt findet sich ein Luxushotel, das niemals einen Gast gesehen hat.

In dem Hotel ohne Namen nämlich ist bis zum heutigen Tag niemals ein Gast gewesen. Und das, obwohl das Luxusdomizil mittlerweile seit satten 42 Jahren seine Pforten öffnet.

Das berichtet das Nachrichtenmagazin Focus und liefert weitere Einzelheiten zu diesem schier unglaublichen Fall:

Die Chronik schwärmt von der Eröffnung am 10. Mai 1967 in höchsten Tönen. Der inzwischen verstorbene König Hussein von Jordanien gab sich damals die Ehre. 18 Köche bewirteten 300 Gäste. Die Tische bogen sich unter 750 Kilo Fleisch und 200 Kilo Reis.

Was folgte war der Krieg und da das Hotel auf einem Hügel steht, von dem aus sich ganz Jerusalem überblicken lässt, ist der Standort zu allem Übel auch noch strategisch bedeutsam. Resultat:

Nach der israelischen Besatzung landeten auf einem in Sichtweite gelegenen Flugplatz nie die arabischen Geschäftsleute und Touristen, auf die es die Hotelgründer abgesehen hatten.

Doch bleibt das Hotel geöffnet, wenngleich es mittlerweile in einem großen Industriegebiet liegt und unter dem israelischen Schutzwall, der in Teilen  Jerusalems errichtet wurde, leidet.

Immerhin betreibt der Eigentümer seit einiger Zeit ein Lehrhotel in dem Bau, in dem 54 Palästinenser den Hotelberuf erlernen können. Und auch, wenn sich die Lehrlinge selbst gegenseitig bekochen und nie ein Gast das Lächeln des Rezeptionisten gesehen hat: ein Fünkchen Hoffnung geht doch von dem Hotel aus.

Und wer weiß: vielleicht heißt es ja auch für künftige Gäste des Hotels irgendwann einmal “Nächstes Jahr in Jerusalem.”

Foto: Chmouel / Wikipedia.de

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