Mythos Chelsea Hotel
Das Chelsea Hotel in New York, 1883 als privates Appartementhaus erbaut, bis Ende des 19. Jahrhunderts mit seinen 12 Stockwerken höchstes Gebaude New Yorks, ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts Unterkunft für Künstler und schräge Vögel, die größtenteils stets mehrere Jahre bis Jahrzehnte hier lebten und leben.
Direkt im Herzen Manhattans, im Bezirk Greenwich Village gelegen, profitierte es von Anfang an von der besonderen Atmosphäre dieses Bezirks, der stets Anziehungspunkt für Immigranten, Künstler und Unangepasste war. Deshalb konnte es sich schnell zum Mittelpunkt dieses Schmelztiegels und zu einer Billigabsteige der Beatnik-, Hippie- und Rock’n Roll-Generation etablieren.
Das Hotel ist Kult, ein Symbol. Nonchalance wurde stets kultiviert, Pomp und Luxus verachtet. Atmosphäre, Nützlichkeit und Non-Konformismus waren die dominierenden Eigenschaften,
die das Hotel prägten und wegen derer es von den Künstlern, Schriftstellern und Musikern geliebt wurde.
In den 50ern wurde das Hotel Magnet für die Beatnick-Generation, in den 60ern kamen die Hippies, die 70 und 80er Jahre wurde vom Rock’n Roll geprägt.
Es ist ein Ort, der mehr über die Popkultur, ihre Repräsentanten und den Zeitgeist des 20. Jahrhunderts verrät, als jeder andere Platz in New York. Es ist ein Hotel, dessen schier unendliche Gästeliste voller berühmter Namen aus der Künstlerszene sicher zu der weltweit beeindruckendsten gehört.
Schon Mark Twain und Thomas Woolfe lebten hier, Artur Miller bewohnte das Hotel nach seiner Trennung von Marilyn Monroe 6 Jahre und begriff es als Höhepunkt des Surrealen. Jimi Hendrix und Janis Joplin, Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, Edith Piaf, Jack Kerouac, Stanley Kubrick, Robert Mapplethorpe, Iggy Pop, Patti Smith, Gore Vidal, Jane Fonda, Dennis Hopper, Leonhard Cohen und Bob Dylan, Madonna und Sean Penn, um nur einige der Namen zu nennen, lebten und liebten hier und machten den Ort zu dem, was er ist: eine Künstler-Oase des Nonkonformismus und exzentrischen Lebensstils.
So schillernd die Bewohner, so schillernd sind auch die Erzählungen, die sich um dieses Hotel ranken. Jedes der ca. 250 Hotel-Zimmer ist durchtränkt vom Spirit und dem Wesen seiner Bewohner wie auch der damaligen Popkultur, tragischer und komischer Art. Die spektakulärste Geschichte ist sicherlich jene von Sid Vicious, des Bassisten der Punkband Sex Pistols, der hier seine Freundin ermordet haben soll.
Auch heute wird nur ein Bruchteil der Hotel-Räumlichkeiten an „normale“ Gäste vermietet, der Rest wird von Dauergästen bewohnt.
Seit 2007 jedoch hat sich das Klima im Chelsea Hotel geändert. Ein neues Management, dem eine Reihe von Design-Hotels untersteht, sorgt für anhaltende Aufregung unter den Bewohnern. Räumungsbescheide, Kündigungen, unangekündigte Bauarbeiten nähren die begründete Angst, dass aus dem Symbol und der Enklave der Bohème ein Luxushotelkonzern werden solle – wenn dieser Befürchtung das neue Management auch widerspricht.
Aktuell geht das Gerücht um, dass das zerstrittene 4-köpfige Hotel-Management-Team der ungeliebten Vorsitzenden Marlene Krauss an den Kragen geht („mit ihr zu arbeiten sei wie eine Operation ohne Betäubungsmittel“) .
Bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge weiterentwickeln. Ich fände es sehr schade, würde dieses lebendige Relikt des vergangenen Jahrhunderts der Yuppisierung unterliegen.
Das obige Bild basiert auf dem Bild chelseahotelstairs.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
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Tags: Chelsea, Chelsea-Hotel, Greenwich Village, Hippy Generation, Hotel, hotels, Manhattan, New York, Rockn Roll

Mister Wong
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Barlow Tyrie sagt:
So ist das also
22. Mai 2009 um 11:03