Gay Travel – Schwullesbische Hotels im Trend

Vor knapp drei Jahren hatte ich hier im Hotel-Blog schon einmal verwundert über das erste “schwule Hotel” Berlins berichtet. Seitdem hat sich der Trend offensichtlich verfestigt und ist voll und ganz im Mainstream angekommen. So hat Dertour erstmalig einen eigenen Gay Travel-Katalog aufgelegt und bewirbt konkret die “Comunity”.

In der “Welt” wird dann auch der Versuch unternommen, Gay Travel ein wenig zu erläutern. Offensichtlich handelt es sich hierbei um Hotels, in denen Homosexuelle weder diskriminiert noch durch Unverständnis geplagt werden.

Gaytravel liegt im Trend: nun hat auch der Reiseveranstalter Dertour einen eigenen Urlaubskatalog herausgebracht.

Gaytravel liegt im Trend: nun hat auch der Reiseveranstalter Dertour einen eigenen Urlaubskatalog herausgebracht.

Im konkreten Beispiel werden eng sitzende Lederhosen im Frühstücksraum erwähnt, die offensichtlich nicht in jedem Hotel gut ankommen. Entsprechend wurde die IGLTA (International Gay & Lesbian Travel Association) ins Leben gerufen und verleiht ein eigenes Gütesiegel für geeignete Anbieter und Unterkünfte.

Es geht sogar noch weiter, denn um zertifiziert zu werden, betreiben einige Hotels eigene Mitarbeiterschulungen. Als sei es so exotisch, wenn einmal Mann und Mann bzw. Frau und Frau anstelle der sonst üblichen Kombination ein gemeinsames Zimmer buchen. Okay: in Berlin und anderen europäischen Metropolen mag das weniger ein Problem sein, als in der Provinz oder in einigen Reiseländern.

So kommen Marokko, Dubai, Malaysia und China in dem Katalog nicht vor, weil Homosexualität dort verboten ist. Auch Thailand hat es nicht in den Dertour-Katalog geschafft, da sich die wenigen “Gay friendly”-Hotels zu nah am Sextourismus befanden. Auch auf der deutschen Ferieninsel Sylt wollte keines der Hotels in den eigenen Gay-Katalog, wenngleich es dort heißt, dass Schwule und Lesben selbstverständlich willkommen seien. Selbst in Europa kann es Probleme geben und so berichtet die Webseite Queer Travel über mehrfache Übergriffe in Kroatien.

Warum aber einen eigenen Dertour-Katalog? Vermutlich, weil die Zielgruppe einerseits kaufkräftig, andererseits reisefreudig ist. Denn an Webseiten für schwullesbisches Reisen mangelt es im Internet nicht. Zu nennen sind exemplarisch Teddy Travel, Queer Travel oder auch Tom on Tour (wo explizit an Gays & Friends adressiert wird) und Girlports.

Interessant erscheint mir aber, dass die beliebtesten Reiseziele nahezu immer Städte in der westlichen Welt sind. So listet beispielsweise Girlsport Berlin, Boston, London, Paris etc. in seiner Tagcloud und verzichtet scheinbar komplett auf kleinere Orte. Auch bei IGLTA werden für Deutschland lediglich Hotels in den Großstädten als Gay-friendly ausgewiesen.

Insofern macht die Initiative von Dertour in meinen Augen (leider noch) Sinn. Wer nämlich als Schwuler oder Lesbe außerhalb der Metropolen und nicht gerade an Klischee-Spots wie Mykonos, Capri, Ibiza oder Key West Urlaub machen möchte, ist immer noch auf Empfehlungen angewiesen. Ob das wirklich “gut so” ist, sei dahingestellt, denn normalerweise sollte es keinen Unterschied zwischen Gay- und Hetero-Travel geben.

Foto: Heiko Gorski, Wikipedia

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