Dritte Zähne im Zimmersafe
Was alles in Hotels vergessen und wie mit Fundsachen verfahren wird
Wie reagiert ein Zimmermädchen, das nach der Abreise eines Gastes ein komplettes Gebiss auf dem Nachttisch vorfindet? Sie schluckt. Sie zieht Plastikhandschuhe an. Und sie trägt es ins Fundbüro des Hotels, wo es mit einer Nummer versehen, im Computer registriert und im Wert klassifiziert in ein Regal gestellt wird.
Nicht nur am Strand, sondern zuweilen auch im Zimmersafe eines Hotels tauchen solche kuriosen Fundstücke auf. © Karl-Heinz Liebisch / PIXELIO.
Dort verharren die kostbaren Dritten, bis sich der Besitzer meldet. Gibt er keinen Laut, weil ihm die Situation allzu peinlich ist oder er ohnehin plante, seine Reise mit weniger Biss fortzusetzen, verfahren Hotels unterschiedlich: In einigen Häusern fallen Fundsachen nach sechs Monaten den ehrlichen Findern zu, in anderen werden die Übrigbleibsel vergesslicher Gäste nach einem halben Jahr versteigert oder für wohltätige Zwecke gestiftet. Schmuck wird zumeist für mindestens ein Jahr im Tresor aufbewahrt.
Eine Verlustmeldung für den fraglichen Zahnersatz ist nie im „Westin Grand Hotel Berlin“ eingegangen. Was nach sechs Monaten aus dem Gebiss wurde, ist nicht dokumentiert – auch nicht, was mit einer zweifelhaften Gummipuppe geschah, die ein Steigenberger-Zimmermädchen fand oder einem Affenkostüm und einem Holzbein, beides Hinterlassenschaften in Novotel-Zimmern.

Gerne wird vergessen, was vorher im Zimmer versteckt wurde: Das Gebiss im Safe, Schmuck im Gardinensaum, Hightech im Sofafutter.
„Die meisten Gäste“, so Marion Schumacher von Ritz-Carlton-Hotels, „melden sich selbst, wenn sie etwas vergessen haben und bitten darum, den Gegenstand nachgeschickt zu bekommen. Aus Diskretionsgründen kontaktiert das Hotel von sich aus niemanden.“ Handele es sich aber um einen Stammgast, werde ihm der vergessene Gegenstand bei seinem nächsten Aufenthalt wieder an derselben Stelle aufs Zimmer gelegt. Peinliche Situationen werden so vermieden, damit nicht etwa das Nachthemd der heimlichen Freundin durch Nachsenden an die Heimatadresse des Gastes in die Hände der Ehefrau gerät.
Knapp 1.700 registrierte Fundsachen durchlaufen Jahr für Jahr allein die Asservatenkammer des „Park Hyatt Hamburg“ – mit seinen 252 Zimmern kein Riesenhotel.
Auf Reisen sind Menschen offenbar vergesslich – egal, ob sie in Ferienresorts oder in den Business-Hotels der Großstädte absteigen. Nur bei den unfreiwilligen Hinterlassenschaften gibt es Unterschiede: Sind es in den Stadthotels vor allem Handy- oder Laptop-Kabel, so sind es in den Ferienhotels in erster Linie T-Shirts, Zahnbürsten, Wecker, Unterhemden und -hosen.
Erstaunlich oft vergessen Gäste Eheringe im Zimmer – selten zwei, meistens nur einen. Kurioserweise vermelden viele Hotels ebenso einvernehmlich, dass seit einigen Jahren gehäuft angebrochene Viagra-Schachteln zu den Fundsachen zählen. Bei Inter-Continental Hotels erinnert man sich an einen Gast, der Geld verschiedener Währungen im Zimmersafe vergaß, sich umgehend meldete und um Nachsendung der Bündel per Kurier bat – ohne die Viagra-Schachtel zu erwähnen, die ebenfalls im Safe zurückgeblieben war.
In einem Maritim Hotel wurde sogar schon mal ein Hamster vergessen - ob im Schuh oder nicht wurde nicht überliefert. © Ralf Zierold / PIXELIO.
Auch verabschieden sich Reisende oft mit weniger Kleidung als sie bei der Anreise dabei hatten: Nicht selten ziehen die Zimmermädchen des „Park Hyatt Hamburg“ nach Abreise Wäsche aus dem Zimmersafe. Auch sie landet in der Asservatenkammer. Gerne wird vergessen, was vorher versteckt wurde: Das Gebiss im Safe, Schmuck im Gardinensaum, Hightech im Sofafutter.
Bei Oberoi Hotels weiß man von vereisten Kameras, die aus Minibars geborgen wurden. Bei Maritim kam bereits ein Hamster zu neuen Pflegeeltern, während sich die zahlreichen Besitzer vergessener Plüschtiere zumeist sehr schnell melden. Dankbar hingegen dürfte ein Novotel-Gast sein, dem Handschellen und ein Set Peitschen sicherheitshalber nicht an die Heimatadresse geschickt wurden.
Helge Sobik © 2009, dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt Bildnachweis: Hyatt Hotels & Resorts, PIXELIO.Tags: Fundsachen, hotels, Hyatt, Novotel, Oberoi Hotels, Park Hyatt Hamburg, Ritz-Carlton, Steigenberger, Westin, Westin Grand Hotel Berlin
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Caroline Sachslehner sagt:
Die freie Meinung ist schon viel Wert – danke
16. Juli 2009 um 02:13Mathias Dinier sagt:
Gern geschehen, aber was genau hat das mit dem Artikel zu tun?
16. Juli 2009 um 08:16Beste Grüße, das Hotel-Blog Team.